Agiles Arbeiten - Agiler Workplace: Living WorkPlace Agiles Arbeiten - Agiler Workplace: Living WorkPlace

Agiles Arbeiten – Agiler Workplace

Mit dem digitalen Wandel verhält es sich ähnlich wie mit der Erdanziehungskraft. Man kann gegen diese argumentieren, kann ihren Sinn bestreiten und ihr die Verantwortung für viele unbefriedigende Situationen zusprechen: Die Gravitation wird das nicht interessieren, sie wird trotzdem weitermachen wie bisher. Ebenso verhält es sich mit dem digitalen Wandel. Auch wenn man ihn ablehnt, wird er kommen bzw. sich einfach fortsetzen, denn er ist schon lange da.

Über die Bedeutung der Digitalisierung muss man nicht mehr diskutieren. Sowohl Unternehmen, die sich schon länger der Digitalisierung gestellt haben, als auch solche, die einigen Nachholbedarf haben, sind sich darin einig, wie eine Change Management-Studie von Cap Gemini zeigt. Um jedoch richtig auf sie zu reagieren und sie zu gestalten, bedarf es eines Kulturwandels.

Fortschritt in Sprüngen

Moore‘s Law mag nicht auf alle Entwicklungen in der digitalen Welt anwendbar sein, vielleicht nicht einmal mehr auf die Prozessorgeschwindigkeit. Fest steht aber: Die Digitalisierung geht nicht schrittweise voran, sondern vollzieht sich in großen Sprüngen.

Unternehmen müssen damit einerseits auf die erhöhte Geschwindigkeit reagieren, mit denen Arbeit verrichtet wird; andererseits müssen sie sich darauf einstellen, dass sich die Geschwindigkeit immer weiter erhöht. Für diese Bedingungen muss man Strukturen schaffen. Und diese Strukturen müssen so flexibel sein, dass sie sich den dauernden Veränderungen anpassen können.

Agiler Arbeitsplatz
Digital Workplace

Eine Möglichkeit, um dieses Flexibilität zu erreichen ist agiles Arbeiten. Was bedeutet in diesem Kontext Agilität? „Agilität ist zunächst die Fähigkeit einer Organisation, relevante Veränderungen in ihrem Umfeld zu antizipieren. Darüber hinaus bedeutet Agilität, bei relevanten Veränderungen flexibel, aktiv und anpassungsfähig zu agieren.“ So die Definition der von Haufe und promerit erstellten Agilitätsstudie 2017. Es handelt sich also um eine Fähigkeit, die viel mit Einstellung zu tun hat. Die Bereitschaft zur Veränderung muss da sein. Das wäre der notwendige digitale Kulturwandel.

Design Thinking und Scrum

Zwei der prominentesten Methoden des agilen Arbeitens sind Design Thinking und Scrum (Prominent ist freilich relativ zu verstehen: die Haufe/promerit-Studie spricht von gerade einmal 24% der Führungskräfte, die mit Design Thinking etwas verbinden, mit Scrum sind es noch weniger; bei den Mitarbeitern liegt die Kenntnis der Methoden bei unter 10%).

Beim Design Thinking arbeiten Menschen verschiedener Fachrichtungen zusammen in einem kleinen Team, die idealerweise mit dem betreffenden Thema nicht vertraut sind. In sechs standardisierten Schritten wird sich mit dem Problem auseinandergesetzt: Understand, Observe, Develop, Ideate; Prototype; Test (zu den Details siehe die Studie „Agile Unternehmen“ der DGFP-Praxispapiere)

Agiles Arbeiten
Design Thinking

Scrum ist ein Verfahren aus der Softwareentwicklung. Scrum-Teams bestehen in der Regel aus sieben Personen und kommen aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens. Der Scrum-Master soll für das störungsfreie Vorankommen des Teams sorgen. Er räumt Hindernisse aus dem Weg und vermittelt den Projektbeteiligten die Scrum-Methode. Der Product Owner ist zuständig für die Produktentwicklung und muss die Kosten verantworten. Die anderen fünf Personen sind für die Lieferung des Produkts verantwortlich. Sie gehen dabei autonom vor. Das übergeordnete Management steckt lediglich die Rahmenbedingungen ab. Das Team trifft sich wöchentlich um das Erreichen der Zwischenziele zu überprüfen, die sich nach einem Grobplan richten (Backlog). Der Grobplan wird in jeder Sitzung präziser gefasst, bis man eine Entscheidung getroffen hat, wann das Produkt fertig ist.

Ein gutes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von agilen Methoden liefert die Entwicklung einer vernetzen Sensorlösung der Firma Bosch für den Spargelanbau. Die Sensoren senden den Landwirten Informationen über die aktuelle Bodenbeschaffenheit direkt ans Smartphone. So können die Bauern ideale Bedingungen für den Spargelanbau schaffen. Dank eines Scrum-Teams gelang es Bosch, innerhalb von nur drei Wochen das Produkt erfolgreich fertigzustellen „Solche agilen Entwicklungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Technologien oder Lösungsansätze für die Entwicklung zu Beginn teilweise noch unklar sind und sich die Anforderungen an ein neues Produkt im Laufe der Zeit noch ändern. Wir werden dadurch schneller und flexibler“, so Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner.

Agile Arbeitswelten
Agile Workplace

Was hat Agilität mit dem Arbeitsort zu tun? Ziemlich viel!

Swarming, Holokratie und fluide Strukturen sind weitere agile Methoden, auf die hier nicht eingegangen werden soll. Agilität mit klassischen Bürostrukturen zu vereinbaren, das scheint kaum möglich: weder im Großraumbüro noch im klassischen Einzelbüro.

Gerade agile Methoden verlangen ein vielfältiges Raumangebot: einen Workplace, in dem mit den entsprechenden Materialien an Ideen gearbeitet; einen Shareplace, in dem die Ideen vorgestellt und diskutiert werden; einen Prototypeplace, in dem die Ideen zu ersten Modellen manifestiert werden, einen Loungeplace, in dem sich die Teams entspannen können. Mögen sich die Raumanforderungen auch manchmal überschneiden, klar ist: In einem Activity Based Working-Konzept liegt die Zukunft der Arbeitsplatzgestaltung. „Es ist die Unmenge an Wahlmöglichkeiten, die den Arbeitsplatz fit für alle Anforderungen macht“ so Louis Lhoest, Partner des niederländischen Beratungsunternehmens Veldhoen+Company.

Und aus noch einem anderen Grund sollte man sich Gedanken über zeitgemäße vielfältige Bürostrukturen machen. So gut wie alle Studien zur Agilität zeigen, dass ein erfolgreiches Change Management hin zur agilen Arbeitsweise den Menschen in den Mittelpunkt stellen muss und nicht die Technologie. Diese Menschen müssen, anders als die Technik, sich in den Räumen wohlfühlen, in denen sie arbeiten. Denn wenn sie sich wohlfühlen, sind sie engagierter. Wer engagiert ist, hat keine Angst, ist optimistisch und offen für Neues. Und genau diese Haltung braucht es, um den digitalen Kulturwandel zu gestalten.

Überzeugen Sie sich doch live vor Ort, wie agiles Arbeiten in modernen Arbeitswelten aussehen kann – Direkt in Ihrer Nähe

Living WorkPlace-Talk am 07. Februar 2018