Wechsel als Dauerzustand - Der Wandel der Arbeitswelt Wechsel als Dauerzustand - Der Wandel der Arbeitswelt

Wechsel als Dauerzustand – Der Wandel der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt wandelt sich.

Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat gezeigt, dass Veränderung heute zum Alltag der Arbeitenden gehört. Das betrifft kleinere Umstellungen wie neue Software, aber auch größere Reorganisationen der Arbeitsabläufe. Wandel der Arbeitswelt: Das bedeutet nicht nur, dass es neue Tätigkeitsformen und Abläufe gibt; es heißt auch, dass sich die Arbeitsorte ändern.

Vom klassischen Büro zum Open Space

Das klassische Büro ist nicht sehr alt. Anfänge finden sich im frühen 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Anteil an Büroangestellten mit 3% der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland immer noch gering. Das änderte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg, dann aber deutlich: heute arbeiten rund 40%  und damit 20 Millionen aller Beschäftigten in einem Büro.

Das Büro hat sich in den letzten 70 Jahren selbstverständlich gewandelt. Nicht nur die Ausstattung ist eine andere – den klassischen Schreibtisch gibt es seltener, an Stelle der Schreibmaschine findet sich nun ein PC oder Laptop -, auch die Bürostruktur hat sich verändert. Jahrzehntelang war das aus den USA importierte Großraumbüro das Maß der Dinge. Es hatte die Einzelbüros abgelöst, da es eine höhere Flächeneffizienz versprach, ergo Kostenreduktion.

Kostenminimierung ist immer noch ein gewichtiges Argument, wenn es um Bürostrukturen geht. Seit dem Anfang des 21. Jahrhunderts fragt man sich aber vermehrt: Kosteneinsparung um jeden Preis?

Wechsel als Dauerzustand – Der Wandel der Arbeitswelt

Der Mitarbeiter rückt in den Vordergrund

Der Primat maximaler Flächeneffizienz ist verdrängt worden durch einen Fokus auf die Angestellten. Was bringen Flächeneinsparungen, wenn man damit eine Arbeitswelt schafft, in der sich die Mitarbeiter nicht wohl fühlen? Denn nur wer sich gerne an seinem Arbeitsplatz aufhält, arbeitet auch engagiert und effizient. Unzufriedene Mitarbeiter werden zu einem Kostenfaktor, der sich negativer auf den Gewinn auswirken kann als die Bürofläche.

Fokus auf den Mitarbeiter bedeutet zweierlei: Allgemeine gesellschaftliche Veränderungen müssen sich in der Bürogestaltung genauso widerspiegeln wie die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter und ihrer Arbeitsanforderungen.

Der Wandel der Arbeitswelt löst alte Strukturen auf

Einer der bestimmenden Züge der neuen Arbeitswelt ist die Auflösung: von Hierarchien, von Räumen, von Zeiteinteilungen. Der feste Schreibtisch, traditionelles Zeichen der Position im Unternehmen und individuelles Ausdrucksmittel, verliert an Bedeutung. Konzepte wie Home-Office, Co-Working und Desksharing ersetzen ihn. Der Arbeitsplatz wird flexibel. Es braucht damit nicht mehr einen Schreibtisch pro Mitarbeiter. Und die jeweiligen Mitarbeiter benötigen auch nicht mehr immer denselben Schreibtisch. Sie arbeiten da, wo es die Arbeitssituation, die Aufgabe erfordert. Das Ergebnis ist eine Bürostruktur, die die Präsenz von Statussymbolen minimiert und flache Hierarchien räumlich verwirklicht.

Das Home-Office stellt natürlich die stärkste Auflösung von festen Büroraumaufteilungen dar. Es bietet gerade unter dem Aspekt der Flexibilität große Vorteile sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Dieser Umstand sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Mitarbeiter nach wie vor das Büro als Arbeitsort bevorzugen. Das hat auch damit zu tun, dass nicht jede Strukturauflösung gewünscht wird. Das Home-Office kann sich mit der Vermischung von Privatem und Geschäftlichem auch schädlich auf die Work-Life-Balance auswirken. Zudem ist das eigene Zuhause in erster Linie aufs Wohnen ausgerichtet und selten adäquat für das Arbeiten ausgestattet.

Wechsel als Dauerzustand – Der Wandel der Arbeitswelt

Was macht das Wohlbefinden aus?

Wenn das Wohlbefinden des Angestellten bei der Bürogestaltung im Zentrum stehen soll, muss man sich über die vielen Einflüsse im Klaren werden, denen er ausgesetzt ist. Dabei geht es regelmäßig um geradezu Elementares: Licht, Luft, Temperatur und Akustik wirken sich unmittelbar auf Stimmung und Gesundheit der Mitarbeiter aus. Ihre Regulierung muss daher in die Bürostruktur Eingang finden.

Die Digitalisierung hat viele neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Sie hat grundsätzlich für körperliche Entlastung gesorgt, die psychosoziale Belastung hat sie jedoch verstärkt. Die ständige Erreichbarkeit, die Unterbrechungen des Arbeitsflusses durch Emails oder andere Nachrichten sind ein Teil der neuen Arbeitswelt. Auch hierauf müssen Workplacekonzepte Antworten finden: immer mit dem Doppelblick auf den großen gesellschaftlichen Rahmen und die individuellen Situationen.

Immer weiter

Die Digitalisierung ist noch nicht an ihrem Ende gekommen. Sie wird das Arbeiten weiterhin verändern. Und sollte sie sich einmal erschöpft haben, werden andere Entwicklungen Änderungen und somit den Wandel der Arbeitswelt vorantreiben. Das muss bei jeder Bürogestaltung bedacht werden: Sie muss so offen und flexibel sein, dass sie entweder auf verschiedene Arten genutzt werden oder ohne große Eingriffe entsprechend angepasst werden kann. Arbeit wird sich in ihren Funktionsweisen permanent ändern. Architekten sollten deswegen Raum- und Gebäudekonzepte entwickeln, die auch nach 10 Jahren noch dem herrschenden Begriff von Arbeit entsprechen. Denn bei all den sich verändernden Anforderungen und Bedürfnissen an den Raum ist nur eins sicher: der Wandel wird bleiben.

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